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Das Gender-Paradoxon
Eine Einteilung nach Geschlechtern verstellt zu oft den Blick für die eigentlichen Probleme der Men­schen im Spannungsfeld des gesellschaftlichen Miteinanders : Die Situation eines in Teilzeit ar­bei­ten­den Vaters ist gut vergleichbar mit der Lage einer in Teilzeit arbeitenden Mutter. Die all­täg­li­chen Probleme decken sich.
Der Alltag einer kinderlosen Frau ist jedoch grundverschieden zum Alltag einer Frau, die drei Kin­der so­wie einen familiären Pflegefall betreut. Was ist hier bedeutsamer, das Geschlecht oder die Le­bens­situation ?

Politik wird nicht für die Vergangenheit gemacht, sondern für die Zukunft. Relevant ist allein, wel­che Fol­gen eine politisch forcierte Maßnahme haben wird.
Worin liegt das Problem einer staatlichen Förderpolitik, die berufsfördernde Maßnahmen aus­schließ­lich für Frauen vorsieht ? Ist es falsch, Frauen durch Wiedereingliederungsseminare, Frau­en­be­auf­trag­te und ggf. durch finanzielle Kompensation ( bei der Altersrente ) zu unterstüt­zen ? Sie tra­gen doch - statistisch betrachtet - die Hauptlast der Betreuungsaufgaben ?

Das Problem liegt darin, dass staatliche Unterstützungsleistungen ausschließlich für Mütter den Ef­fekt haben werden, dass in Zukunft Väter diese Aufgaben weniger übernehmen werden. Die Ar­gu­men­ta­tion eines Paares wird sein, dass die Frau Kompensationen ( z.B. gleich bleibende Auf­stiegs­chan­cen im Anschluss an die Elternzeit ) für ihre Betreuungsaufgaben bekommt, der Mann je­doch nicht. Wer kann ihnen da widersprechen ?
Der wohlmeinende unterstützende staatliche Impuls wird nur für den Teil der Gesellschaft in die er­wünsch­te Richtung gehen, der anstrebt, Männer auch in Zukunft aus familiären Angele­gen­hei­ten weit­ge­hend herauszuhalten.
Wenn staatliche Frauenförderung sich darin äußert, Frauen überverhältnismäßig durch positive Dis­kri­mi­nie­rung am Arbeitsmarkt zu "fördern", so werden diese gegebenen Fehlanreize das "Zu­hau­se-​bleiben" für Frauen verstärken. Das eigentliche Ziel staatlicher "Frauenpolitik", die Durch­set­zung der "tatsächlichen Gleichberechtigung" für Mann und Frau, wird unterlaufen.

Wer ernsthaft möchte, dass auch Männer Betreuungsaufgaben übernehmen ( können / dürfen / sol­len ), der kann diesen Effekt - und damit einseitig auf Frauen gerichtete Maßnahmen - nicht wol­len, denn sie sind für dieses Ziel kontraproduktiv.
Wir wünschen Politikern und Medien, sich diesem "Gender-Paradoxon" zu stellen. Um trag­fä­hi­ge, verfassungskonforme Lösungen zu finden, ist eine Abkehr von der Betrachtung in sta­tis­ti­schen Ge­schlech­terkollektiven erforderlich. Stattdessen muss der Blick auf die aktuelle Situa­tion im in­di­vi­du­ellen Lebensverlauf gerichtet werden, in der sich eine bestimmte Teilgruppe befindet - un­ab­hän­gig vom Geschlecht.
 Forum Soziale Inklusion, 2013-03-17
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